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Süddeutsche Zeitung 20. Februar 2014

„Are you man enough to be gay?“ fragt Stephan Herwig im Untertitel seines Stückes „Editorial Bareback“. Doch mit dem Blick nach Russland wird die Frage, ob man für die Homoxeualität Manns genug sei, bitter wie treffend. Ein modernes Tanzstück, ausschliesslich mit männlichen Tänzern besetzt und politischem Impetus ist besonders und auch nötig in dieser Kunstform, deren primäre Erscheinung noch immer von Tutu und Schwanensee bestimmt ist.

– ARGA

Süddeutsche Zeitung, 23. September 2013

Einhörner im Darkroom

Wenn die Zuschauer das schwere reiter betreten, umstehen zehn Kerle das schwarz markierte Spielfeld wie einen Kampfplatz: Lässig an die Wand gelehnt oder in die leeren Stuhlreihen gelümmelt wird in Stephan Herwigs neuer Tanzproduktion. So nah dran am Geschehen, dass man den Wind, den anmutig rotierende Arme und gemeinsam auf dem Boden aufklatschende Paare machen, hautnah zu spüren bekommt. … Ein Spannungsfeld, in dem Herwig seine bisher konkreteste choreografische Arbeit ganz bewusst plaziert: Die Frage nach einer eigenen schwulen Ästhetik im Fokus, eine multinationale Truppe aus schwulen Tänzern auf der Bühne, Künstler-Ikonen wie Andy Warhol und Derek Jarman im Rücken und die aktuellen Tendenzen in Russland und anderswo im Hinterkopf. … Vor allem feiert der Abend das Individuum, das eben ist, wie es ist. Schon rein optisch stammen die fünf zentralen Tänzer (…) von unterschiedlichen Planeten. Mit großem Ernst gleiten die auch tänzerisch sehr unterschiedlich Geprägten in feminine Model-Posen hinein, werden in semiaggressiven Hebefirguren auf den Arm genommen, umtanzen furios das Leiden am Narzissmus und schauen einander zart oder abschätzend kalt in die Augen. … Was dazwischen passiert, wirkt oft wie eine Folge von getanzten Antworten auf unhörbare Fragen. Und doch erlaubt der Abend einen gänzlich unvoyeuristischen Blick auf auf seine schwule Helden, die gelegentlich den harten Kerl im Einhorn verstecken.

– Sabine Leucht

Münchner Feuilleton, Oktober 2013

Over The Rainbow

Wie gay is das denn?! Sich mit schwuler Ästhetik auseinanderzusetzten, wie es Stephan Herwig mit fünf Tänzern  in „Editorial Bareback“ tut, ist mutig, hat man doch dabei mit platten Klischees zu kämpfen und es mit kühnen Kunstwerken aufzunehmen. Der Münchner Choreograf setzt ein starkes Bild an den Anfang: eine verwrungene Menschentraube wie beim Rugby, die sich energetisch ballt. Um Nähe und Berührung geht es auch in Folge – und um Spannungen und Ambivalenzen. Zwischen Darkroom und Paradies, Sehnen und Erfüllung, Suche und Verlust ist viel Raum für Kontaktanbahnung, Zärtlichkeit, Trauer. … Es gibt intensive Wechsel zwischen den Paarungen und Situationen, aber auch das Strickmuster der Nummernreveau zwischen intimen Handgesten und Table-dance-Exaltationen. … „Being an artist is gay!“

– Thomas Betz

Am Anfang haben fünf Tänzern und fünf Statisten die Köpfe zusammengesteckt und ihre Oberkörper und Arme ineinander verknäult wie Fußballer vor dem Spiel. Aber etwas ist anders: Denn außer schwarzen Slips und Stiefeln tragen die zehn Männer nichts. Und sie sind – ausnahmslos schwul. Wie diese Masse an Muskeln und Körpern in Bewegung gerät, die schönen Rücken sich verschieben, die Stiefel auf dem Boden quietschen, wie aus dem Kollektiv sich plötzlich Individuen schälen, das ist der faszinierende Beginn eines Tanz-Theaters, das erst am Ende – und dann eher ironisch – auch Worte zulässt. Zuvor aber führt er die fünf Tänzer in die unterschiedlichsten (Paar-)Konstellationen und verlangt ihnen dabei oft eine ganz individuelle, nicht zuletzt weibliche Gestik und Körperhaltung ab, was bei einem fast nackten Kerl erstaunlich verletzlich aussehen kann. Weil Maxwell McCarthy, Andrew Pan, Victor Pérez Armero, Salvatore Siciliano und Alfredo Zinola in jeder Hinsicht aus verschiedenen Welten kommen, nicht zuletzt in ihrer Physis, sind auch die Assoziationen des Zuschauers vielfältig, der ganz eng an der quadratischen Spiel- und Tanzfläche sitzt und damit buchstäblich hautnah. Die raffinierte Collage der Musik leistet dazu ihren eigenen, mal (ver-)störenden, mal intensivierenden Beitrag. „Schwule lieben alles Schöne. Perfekte Körper, perfekt ausgeleuchtet. Aber sie haben auch eine Sehnsucht nach dem Dunklen, Dreckigen“, weiß Stephan Herwig, der Choreograph von „Editorial Bareback“ aus eigener Erfahrung, und erklärt damit zugleich die Ambivalenz des Titels für sein zusammen mit Karen Piewig erarbeitetes 75-minütiges Stück. Nach der Premiere im Herbst letzten Jahres ist es nun noch einmal an zwei Abenden in München zu sehen: „Editorial“ steht für die Welt der schwulen Hochglanzmagazine, „Bareback“ dagegen ist die Bezeichnung für ungeschützten schwulen Sex.

Klaus Kalchschmid (Die deutsche Bühne)

 


world premiere

Thursday, 19 September 2013, 8.30 pm

Further performances:
Fri 20, Sat 21 and Sun 22 September, 8.30 pm

 

Are you man enough to be gay?

Stephan Herwig’s latest dance production is inspired by the perspective of gay artists in the History of Art and Aesthetics.
Five male dancers on stage: That basic constellation in itself creates a vibrant energy all of its own.
The dancers are revealing themselves, they are getting to the bottom of both their masculine and feminine sides;
at times reluctantly and suggestively; at other times in an aggressive and extroverted manner.
Stereotypes are being shifted and dispelled; different images of the male body are being evoked and called into question.
The strong individual personalities of the dancers create a fascinating and energizing friction.
While not, however, tying anything down, but leaving as much of interpretation up in the air as possible –
the borders are blurred. Ultimately, it is all about “being oneself and to allow this with all its consequences.”

Choreography:
Stephan Herwig

Choreographical collaboration:
Karen Piewig

Dance:
Maxwell McCarthy
Andrew Pan
Víctor Pérez Armero
Salvatore Siciliano
Alfredo Zinola

Lighting:
Michael Kunitsch

schwere reiter
tanz theater musik
Dachauer Str. 114
80636 München
reservierung@schwerereiter.de
089 / 721 10 15
www.schwerereiter.de

tickets € 15 / reduced € 10

Public Relations: Beate Zeller, +49.176.26577015, kontakt@beatezeller.de

With kind support from the Department of Arts and Culture of the City of Munich.
Stephan Herwig is member of the Tanztendenz München.
A cooperation with schwere reiter tanz.


iopfuStephan Herwig (Choreografie) ist seit vielen Jahren als Tänzer und Choreograf überwiegend in München tätig. Als Tänzer arbeitet er seit 1999 kontinuierlich mit dem Münchner Choreografen Micha Purucker; neben Engagements an der Bayerischen Staatsoper, den Bregenzer Festspielen und dem Theater Basel tanzte er u.a. für Sabine Glenz, Amir Hosseinpour, Mia Lawrence, Felix Ruckert, Tino Sehgal, Xavier LeRoy und Mårten Spångberg. Seine erste eigene abendfüllende Choreografie “the sanctuary project“ präsentierte er 2006 in München; seine Nachfolgestücke „Alien“ (2007), „Rebirth“ (2008), „Calabi-Yau“ (2009), „Somewhere“ (2010), „Throwing Myself In Front Of You“ (2011) und „In This Very Moment“ (2012) wurden von der Stadt München gefördert. 2010 und 2012 wurde jeweils eines seiner Stücke für das Rodeo Festival München ausgewählt. Des weiteren wurden seine Arbeiten an das Archauz Theater in Århus, das Tanzhaus Zürich und zu den Festivals Xtra-Frei in Bremen und Hannover, sowie zum Schleudertraum nach Regensburg eingeladen. Zuletzt war er mit dem Austauschprojekt „Clash“, zusammen mit Yuko Kominami und Daniele Ninarello, in München, Luxembourg und Turin zu sehen. Als Dozent für zeitgenössische Tanzformen unterrichtet er im In- und Ausland.

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Víctor Pérez Armero (Tanz) fing im Alter von vier Jahren in Barcelona mit katalanischem Volkstanz an. Dort konzentrierte er sich später auf zeitgenössiches Tanztraining in den Schulen AREA und Varium, während er mit zwei ansässigen Kompanien als Trainer und Performer arbeitete. 2008 zog er nach Büssel und studierte drei Jahre bei P.A.R.T.S.. 2011 ging er nach Salzburg, um am Postgraduiertenprogramm Bodhi Project Company der SEAD (Salzburg Experimental Academy of Dance) teilzunehmen. Er bekam ein CoNCA Stipendium der Katalanischen Regierung für den Abschluss seines Studiums in Salzburg. Dort arbeitete er mit Jelka Milic, Diego Gil u. Nigel Charnock. Seit 2010 arbeitete er mit dem Choreografen Renan Martins de Oliveira (BR). 2012 nahm er an der Produktion “Clear Tears/Troubled Waters” der Cie. Thor / Thierry Smits (BE) teil, die noch auf Tour ist. Er arbeitete außerdem mit SOIT / Hans Van den Broeck (BE).

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Maxwell McCarthy (Tanz) ist ein amerikanischer Performer, der in Berlin lebt. Seit er 2008 seine Ausbildung an der Royal Scottish Academy of Music and Drama beendete, hat er mit Choreografen, Theatermachern und bildenden Künstlern gearbeitet, darunter Colette Sadler (UK), Miet Warlop (BE), Lucia Glass (DE), und Tino Sehgal (DE). Außerdem hat Maxwell eigene Werke in Glasgow, London und Berlin kreiert und aufgeführt.

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Andrew Pan (Tanz) wurde in Kuala Lumpur, Malaysia geboren. Er studierte Tanz an der Central School of Ballet in London und hatte sein erstes Engagement als Gast am Dublin City Ballet. Nach seinem Studienabschluss wurde er Mitglied im Ballett des Stadttheaters Malmö in Schweden. Danach wurde er in Deutschland an verschiedene Bühnen engagiert, unter anderem an die Stadttheater Aachen, Hagenund Gießen, wo er in vielen Solorollen zu bewundern war. Nach drei Jahren als Mitglied der weltbekannten französischen Musicalproduktion „Nôtre Dame de Paris“, mit der er auf Tournee in Montreal, Brüssel, Paris und vielen anderen Städten war, tanzte er fünf Jahre in der erfolgreichen Céline Dion Show „A New Day…“ im Caesars Palace, Las Vegas. Im Jahr 2011 kehrte er zurück nach Europa, wo er seitdem in verschiedenen Produktionen mitgewirkt hat, z.B. in „Sonntag aus Licht“ an der Oper Köln, „Der Nussknacker“ und „Sunset Boulevard“ am Stadttheater Klagenfurt, „West Side Story“ am Deutschen Theater Göttingen und „Life and Times“ am HAU (Hebbel am Ufer) in Berlin

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Mathias Schwarz (Tanz) ist Tänzer der freien Szene Münchens und arbeitet bereits seit mehreren Jahren für und mit Stephan Herwig. Studienaufenthalte führten ihn nach Stockholm. Neben zwei Ersten und einem Publikumspreis am „Internationalen Choreografenwettbewerb Burghausen“ war er Finalist der „Seoul International Dance Competition“ in Südkorea 2008. Er tanzte in Produktionen an der Bayerischen Staatsoper, dem Gasteig und dem Gärtnerplatztheater in München sowie in Choreografien von Carlos Cortizio, Jessica Iwanson, Thomas Kopp, Vivienne Newport, Saar Magal und Valenti Rocamora Tora.

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Salvatore Siciliano (Tanz) wurde 1989 in Cosenza (Italien) geboren. Er begann seine klassische Ballettausbildung an der New World Ballet School. In Mailand erhielt er im Juni 2012 ein Diplom an der Susanna Beltrami Academy. Er studierte ebenfalls mehrere Jahre Klavier und Malerei an der Accademia di Belle Arti di Brera in Mailand. 2011 tanzt er in der Susanna Beltrami Company. 2012 ist er Teil der Dagipoli Dance Theatre Company und 2013 tanzt er für Creart Theatre. Zur gleichen Zeit gibt er sein Debüt in Griechenland und Italien mit seiner eigenen Show “Atena Nike”.

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Alfredo Zinola (Tanz) ist Choreograf und Performer aus Italien. Mit 17 Jahren leitete er eine Straßentheatergruppe. Seit 2001 arbeitet er als Übersetzer und Autor mit dem Teatro dell’Angolo in Turin. 2004 fängt er als Tänzer an, mit Raffaella Giordano (Sosta Palmizi) zu arbeiten, dann setzt er seine Studien in Spanien und an der Folkwang Universität in Deutschland fort. Zur gleichen Zeit macht er seinen Abschluss an der Universität in Turin in Anthropologie. 2009 beginnt er seine Arbeit als Choreograf mit dem Duett “Suschi”, das hinterfragt, “was lebendig ist in einer interkultu- rellen Begegnung”. Diese Arbeit wurde mehr als vierzig Mal in Europa, Südamerika und Rußland gezeigt. 2011 choreografierte er “About Josema”, das auf der Bühne die Sexualität eines jungen homosexuellen Tänzers erforscht. Die letzte Produktion ist PRIMO, eine Unterwasserperformance mit zeitgenössischem Tanz. Als Tänzer hat er mit G. Rossi, J. Jaspers, C. Hennermann, 2+, Keinkollektiv, Angie Hiesl Produktion und vielen anderen gearbeitet.

Karen Piewig (Choreografische Assistenz) erhielt ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Tanz in Mannheim- Heidelberg und ist seitdem als freischaffende Tänzerin u.a. bei Tanztheater Skoronel, Desperate Figures Dance Theatre, La Fura Dels Baus, Mouvoir, Micha Purucker / Living Room, Monica Gomis tätig. Sie arbeitete auch als choreografische Mitarbeiterin und nahm Unterrichtstätigkeiten im Tanzraum Mainz und dem Tanzlabor_21 am Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt auf. Im September 2009 schloss sie das Masterprogramm für Zeitgenössische Tanzpädagogik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main mit der Arbeit „Wenn Worte bewegen, wenn Körper sprechen“ ab. Karen Piewig tanzte bereits in Herwigs Stücken „Alien“, „Rebirth“, „Calabi-Yau“ und „Somewhere“. Für die Kurzchoreografie „kühler“ (2010) zeichneten sich erstmals Stephan Herwig und Karen Piewig gemeinsam für die Choreografie verantwortlich. Seit 2011 ist sie als choreographische Mitarbeiterin für Stephan Herwig tätig.

Michael Kunitsch (Lichtgestaltung) ist seit 1991 Lichtdesigner. Seitdem gestaltete er das Licht für zahlreiche Tanz-, Theater- und Performanceproduktionen in München und an anderen Orten. Seit 1993 arbeitet er kontinuierlich mit Micha Purucker und in den letzten Jahren auch immer wieder für Stephan Herwig.



Ein paar Fragen an Stephan Herwig zu Editorial Bareback

Die wenigsten der durchschnittlichen Zuschauer werden sich etwas unter dem Titel „Editorial Bareback“ vorstellen können. Die letzten Produktionstitel waren unbestimmter wie z.B. „Somewhere“ oder „In This Very Moment“. Magst Du dazu etwas Erklärendes sagen?

Der Titel impliziert einen gewissen Widerspruch. „Editorial“ steht für Hochglanz in der Fotografie. „Bareback“ ist ein Code aus der Schwulenbranche und bedeutet „Sex ohne Kondom“. Diese beiden Extreme bilden einen Kontrast, der auch mein neues Stück prägen soll. Auf der einen Seite das Stilvolle, das Schöne, die Jagd nach Fitness und Äußerlichkeiten; Attribute, die man gerne den Schwulen zuschreibt und auf der anderen Seite ein immer extremes Ausleben von Sexualität in der Szene.

Wie kommt es, dass Du Dich eines so konkreten und expliziten Themas wie dem Schwulsein annimmst?

2010 habe ich eine Kurzchoreografie mit dem Titel „Körper, erinnere Dich…“ erarbeitet, die sich bereits mit dem Thema Homosexualität und meinen persönlichen Empfindungen zu diesem Thema befasste und konkret inspiriert von dem schwulen Filmemacher Derek Jarman und Gedichten Konstantinos Kavafis war.
Nach Vollendung des Solos hatte ich aber das Gefühl, dass das noch nicht alles war. Das Thema wurde für mich immer größer und verlangte nach einem größeren Rahmen.

Hast Du selbst das Gefühl „anders“ zu sein?

Ich habe das Gefühl, dass unsere Gesellschaft immer mehr nach einem „Gleichmachen“ sucht. Schwule möchten heute eben auch heiraten und Kinder haben und verstehen sich weniger als anders, sondern möchten vielmehr auch als „normal“ wahrgenommen werden. Das ist politisch auch total korrekt, ich persönlich finde aber anders sein als etwas Wertvolles und Wichtiges. Diesen neuen Konservatismus, der nicht nur in Deutschland in den letzten Jahren aufkommt, finde ich beängstigend.

Du stellst die Frage nach einer schwulen Ästhetik. Wie würdest Du selbst diese charakterisieren?

Nun, erstmal würde man wohl sagen: Schwule lieben alles Schöne. Perfekte Körper, perfekt ausgeleuchtet. Andererseits haben Schwule auch eine Sehnsucht nach dem Dunklen, Dreckigen. Durch frühere Zeiten in der Homosexuelle ihre Sexualität nur im Verborgenen ausleben konnten, ist da (meiner Meinung nach) noch ein gewisser Reiz an diesem Verborgenen geblieben. Und Männer sind, was die Sexualität betrifft, wohl einfach auch direkter: ein sich treffender, tiefer Blick… das reicht meist schon und man weiß wie der Abend weitergeht; Namen und Telefonnummern können ja auch später noch getauscht werden!

In den letzten Produktionen hast Du jeweils selbst mitgetanzt. Wie ist es nun – nach einer Probenwoche – immer draußen zu sein?

Es fühlt sich sehr gut und richtig an. Bisher hatte ich immer das Gefühl, das ich ein Stück von innen heraus, also auf Augenhöhe mit den Tänzern, entwickeln möchte. Diesmal hatte ich mehr das Gefühl, einen Überblick von außen zu brauchen.

Welche Art von Vorgaben gibst Du in die Proben hinein?

Es sind Inspirationen, z.B. aus der Bildersprache des englischen Filmemachers Derek Jarman, oder die Tanzrichtung des Vogueings (entstanden in den 80ern) fasziniert mich, damit experimentieren wir; aber ich stelle auch konkrete Fragen an die Tänzer, die dann als Ausgangspunkte fungieren.
Bisher habe ich es in meinen Arbeiten immer streng vermieden, mit jeglichen Klischees zu arbeiten; bei dem Thema der Homosexualität und der Körperlichkeit von Schwulen trifft man aber unweigerlich auf viele Klischees und diesmal scheue ich mich nicht vor ihnen, sondern spiele mit ihnen. Das ist neu für mich und äußerst spannend.

Wie individuell kann sich jeder Tänzer in Deinen Produktionen einbringen?

Ich arbeite mit den Tänzern immer sehr direkt. Hätte ich andere Tänzer in meiner Produktion, würde das Endprodukt, das fertige Stück wahrscheinlich sehr anders aussehen. Ich habe mir für diese Produktion sehr unterschiedliche Tänzer gesucht, die alle etwas sehr eigenes besitzen, das macht die Arbeit spannend, es bilden sich Reibungsflächen; das mag ich, das fordert mich heraus. Ich bin kein Choreograph, der den Tänzern jeden Schritt vorgibt; das Stück entsteht mit den Tänzern.

Der Raum nimmt immer eine besondere Stellung in Deinen Produktionen ein – was ist diesmal geplant?

Ich möchte auch diesmal wieder, dass das Publikum sehr nahe am Geschehen ist; den Atem der Tänzer hören, den Schweiß sehen, es geht in meinen Stücken ja nicht nur um die großen Gesten, sondern mindestens genauso um feine Details. Diesmal werde ich auch zum ersten Mal mit einem Team arbeiten, das sich um das Bühnenbild kümmert; da gibt es schon einige sehr spannende Ideen, die sich vor allem damit beschäftigen, der Choreographie räumliche Möglichkeiten des Betonens und Versteckens zu schaffen, Fassbares und Unfassbares zu verwischen; aber allzu konkretes soll hier natürlich noch nicht verraten werden…

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http://www.theguardian.com/world/ng-interactive/2014/may/-sp-gay-rights-world-lesbian-bisexual-transgender#country:276

 

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Foto: Dorothee Elfring

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Foto: Franz Kimmel

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